Die Sicherheit der Anstellung versus der Freiheit einer Selbstständigkeit – Ihr Einkommensvergleich!

In Anstellung ist alles einfach. Am Lohnzettel wurden alle Kosten abgezogen, das hat Ihr Arbeitgeber bereits für Sie erledigt. Und alles was am Konto eingeht, bleibt auch.

Als Selbstständiger ist das nicht so. Hier sind Sie selbst für die Abfuhr der Kosten zuständig. Deshalb darf das Nettogehalt aus einer Anstellung auch nie direkt mit dem Umsatz aus Selbstständigkeit verglichen werden.

 

Die Berechnung des jährlichen Mindesteinkommens.

Ich zeige Ihnen, wie Sie dennoch einen sicheren Vergleich anstellen können und was Sie alles berücksichtigen müssen, damit die gewonnene Freiheit nicht zu Lasten von Sicherheit geht.

Für Details werde ich Ihnen im Folgenden ein paar Zahlenspiele anbieten. Schon an dieser Stelle kann ich Ihnen als prägnante Pi-mal-Daumen-Regel mitgeben:

Tipp: Der Umsatz aus selbstständiger Tätigkeit muss zirka doppelt so hoch sein, wie Ihr Angestelltengehalt.

 

Wir gehen bei der Berechnung nun Schritt für Schritt vor.

1) Wie hoch ist Ihr jährliches Nettogehalt?

Wenn Sie Ihr monatliches Nettogehalt kennen, dann rechnen Sie dieses grob mal 14 – schließlich erhalten Sie in Anstellung nicht nur 12 Gehälter, sondern auch Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Beispiel:  €2.500,- Nettogehalt x 14 = €35.000,- jährliches Gehalt

 

2) Schlagen Sie auf Ihr jährliches Nettogehalt bzw. Jahresgewinn die zu zahlende Einkommensteuer drauf

 

Wenn das jährliche Gehalt bzw. der Gewinn €35.000,- ausmacht, dann wählen Sie hier aus der Tabelle jene Zeile des Nettoeinkommens (36.002), die den €35.000 am nächsten liegt und addieren Sie zu Ihrem Gewinn die Einkommensteuer.

Beispiel:

€ 35.000,-
+  11.600,-  ESt
=  46.600,- Gewinn vor Steuern

 

 

3) Fügen Sie noch die Sozialversicherung hinzu

Schlagen Sie bitte dem Gewinn vor Steuern rund 28% als Sozialversicherungsbeiträge hinzu und Sie kommen somit auf den Gewinn vor Steuern und vor Sozialversicherung. Wir rechnen in unserem Beispiel hier von unten nach oben.

Beispiel:

= 64.722,-  Gewinn vor Steuern und Sozialversicherung
+ 18.122,-   SVA 28%
€ 46.600,- Gewinn vor Steuern

 

4) Schätzen Sie Ihre jährlichen betrieblichen Kosten und fügen diese dem Gewinn vor Steuern und vor Sozialversicherung hinzu, um damit Ihren Umsatz zu erhalten

Zu den betrieblichen Kosten zählt alles, was Sie für den Betrieb, also Ihr Unternehmen, ausgeben werden. Hierunter fallen beispielsweise Mieten, KFZ-, Steuerberater-, Kommunikationskosten etc.

Beispiel: Betriebliche Kosten

KFZ – Aufwand    420,-
Miete Co Working Space 3.600,-
Steuerberater 1.500,-
Betriebliche Versicherungen    200,-
Summe 5.720,-

 

Beispiel: Umsatz (netto)

€64.722,- Gewinn vor Steuern und Sozialversicherung
+ 5.720,- betriebliche Kosten
=70.442,- Nettoumsatz

Video-Tipp: Betriebsaufwendungen

 

5) Schlagen Sie noch die Umsatzsteuer drauf

Sollte Ihr Umsatz €30.000,- übersteigen oder Sie freiwillig in die Umsatzsteuerpflicht optieren, dann müssen Sie Umsatzsteuer (meist 20%) abführen. Rechnen Sie dem Nettoumsatz daher 20% / 10% / 13% Umsatzsteuer hinzu. Sollten Sie als Kleinunternehmer arbeiten (unter €30.000,- Umsatz), lassen Sie diesen Schritt aus.

Bsp.: Umsatz (brutto)

= 84.530,- Umsatz (brutto)
+ 114.088,- USt 20%
€ 70.442,- Umsatz (netto)

Video-Tipp: Die Umsatzsteuer

 

Und Voilá! Nun sehen Sie wie hoch ihr jährlicher Umsatz (das, was Sie auf die Rechnungen schreiben) wirklich sein muss, damit Sie mindestens das gleiche Gehalt herausbekommen, wie in Anstellung.

In unserem Beispiel benötigen Sie einen Umsatz von €84.530,- (Selbstständigkeit), damit Sie mindestens €35.000,- (Angestelltengehalt) herausbekommen.

FAZIT: Der Umsatz aus selbstständiger Tätigkeit muss zirka doppelt so hoch sein, wie Ihr Angestelltengehalt, damit Sie in Selbstständigkeit genauso viel verdienen wie in Anstellung.

 

Beachten Sie bitte auch, dass Sie im Gegensatz zur Anstellung als Selbstständiger

-) nicht gesetzlich arbeitslosenversichert sind

-) keinen Krankenstand-Schutz haben und

-) auch keinen Urlaubsanspruch haben.

Das ist grundsätzlich nicht tragisch, muss aber in Ihre Berechnung miteinfließen.

 

Freiheit also? Ja, aber nicht zu jedem Preis.

6) Im letzten Schritt können wir noch den Mindeststundensatz berechnen

Überlegen Sie, wie viele Stunden Sie pro Jahr verrechnen können. Geben Sie hier bitte nicht die jährlichen Stunden an, die Sie arbeiten, sondern jene, die Sie VERRECHNEN können. Ausgehend von einer 40 Stunden Woche können Sie etwa 20 Stunden verrechnen.  Rechnen Sie an dieser Stelle auch keinesfalls mit 52 Wochen pro Jahr.

Tipp: Nur die Hälfte der Arbeitszeit ist verrechenbar. Bedenken Sie, dass Sie pro gewünschter 40-Stunden Woche keine 40 Stunden voll verrechnen können. Sie benötigen Zeit für Ihre Organisation, Ihre Buchhaltung, KundInnenakquise etc.

Tipp: Außerdem werden Sie nicht 52 Wochen pro Jahr arbeiten können und wollen. Planen Sie hier Zeit für Urlaub und Krankenstand ein.

 

Beispiel: Verrechenbare Arbeitszeit

20h x 44 Wochen pro Jahr = 880 Stunden jährliche Arbeitszeit

 

Beispiel: Mindeststundensatz

Umsatz €84.530,-/880 = €96,- pro Stunde brutto

 

Video-Tipp: Der Businessplan – Teil 2

 

FAZIT: Bei einem monatlichen Nettogehalt von €2.500 Euro und geringen betrieblichen Kosten muss Ihr Mindeststundensatz in der Selbstständigkeit 96,- Euro betragen, damit Sie in der Selbstständigkeit genau so viel ausbezahlt bekommen wie in Anstellung.

 

8. Mai 2018 – Niphavarath Siharath, GRÜNDERPRAXIS

8. Mai 2018
© Gründer Praxis 2018